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"Und was macht Daniel Rueß? Der prügelt auf die Felle als gäb's kein Morgen."

Rezension von Günter Ramsauer

 

Schöfisch & Rueß – Klappern Knurren Rauschen

(Ramshackle Records)

Manchmal bedarf es einer zweiköpfigen 60er Geburtstagsfeier (Hans-Peter Leuze und Hans Schneider) um ein zweiköpfiges deutsches Punk-Noise-Rock-Monster namens Schöfisch & Rueß zu entdecken. Die können ihrem Albumtitel „Klappern Knurren Rauschen“ nach sogar noch einiges mehr. Zwischen 70er Punk a la Mittagspause/Fehlfarben und aktuellem Noise-Rock der Marke Die Nerven sitzt das vor Energie nur so strotzende Duo, das der Besetzung und Attitüde nach auch an The White Stripes, The Kills und The Death Letters erinnert. Wobei Simon Schöfisch auch der wunderbaren Indie-Pop/Folk-Rock-Band Die Autos angehört und auf seinem zweiten Standbein mit Daniel Rueß die Punk-Noise-Sau rauslässt. Was die beiden auf ihrem Album an Energie, Dynamik und Drama dem Hörer verabreichen bzw. im positivsten Sinne zumuten, ist aller Ehren wert. „Schlägerei“ ist ein echter Punk-Hit, wenn es so was überhaupt gibt und „Autobahn“ ein krachender Garagen-Blues-Rock. „Mit 1000 Augen“ ist allerbestes Lo-Fi-Gefrickel und „Zwei sind einer zuviel“ bläst einem die Ohren frei. „Mann von Welt“ stampft und marschiert zackig wie seinerzeit Mittagspause, Simon Schöfisch singschreit mit der gleichen Wut und Leidenschaft eines Peter Hein. Und was macht Daniel Rueß? Der prügelt auf die Felle als gäb's kein Morgen. Aber die Zwei können auch die sanfteren Töne: „Deine Stärke“ ist eine Laut-Leise-Ballade, ein Ausklang, der nach mehr verlangt. Deshalb auch Ausschau halten nach der Band Pelz, aus denen das Duo hervorging.
Bitte alle mal reinhören:
https://schoefischundruess.bandcamp.com/releases

z w e i

Als kleinste mögliche Einheit spielen Schöfisch & Rueß Rockmusik: zwei Personen, eine Gitarre, Schlagzeug und Gesang. Aus pelziger Asche wie Phönixe aufgestiegen und nun flügge geworden um von der Welt mit neuen Augen gesehen zu werden. Etwas verschwommen erkennt man Lo-Fi Blues und Garagenrock, Sixties-Beat und Kinderlieder, die zusammen ein neues Bild ergeben.

Und unter all dem Geklapper, dem Dröhnen und dem Rappeln findet man sie: Popsongs in schmutzigem Gewand und Melodien, die eigentlich keine sein wollen. Man darf sich nicht wehren und sollte die Hüften kreisen und die Seele baumeln lassen während das Tanzbein schwingt. Die Ohren klingeln noch im Auge des Hurrikans. Genau hier muss man sein um die Ruhe im Getöse zu finden. Vier Fäuste, kein Hallelujah. Vier Augen aus zwei Köpfen starren in den beißenden Gegenwind. Doch der Kurs bleibt der Gleiche. Einzählen, anschlagen, abliefern, austrinken.